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Andre M.
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Entnahmeplan für den Ruhestand: Wie lange reicht Ihr Vermögen?

Entnahmeplan für den Ruhestand: Wie lange reicht Ihr Vermögen?

Auf einen Blick

Entnahmeplan berechnen: 4%-Regel, Kapitalverzehr und wie lange Ihr Depot im Ruhestand reicht.

Was ist ein privater Entnahmeplan für den Ruhestand?

Ein Entnahmeplan beschreibt die systematische Entnahme von Geld aus einem angesammelten Vermögen - typischerweise im Ruhestand, um die gesetzliche Rente aufzustocken. Anstatt Ihr Depot auf einen Schlag aufzulösen, entnehmen Sie monatlich oder jährlich einen festen Betrag, während das verbleibende Kapital weiterhin investiert bleibt und Erträge erwirtschaftet.

Die zentrale Frage dabei lautet: Wie viel kann ich monatlich entnehmen, ohne dass mein Geld vor mir ausgeht? Die Antwort hängt von drei Faktoren ab: dem Startvermögen, der erwarteten Rendite und dem geplanten Entnahmezeitraum.

Was ist der Unterschied zwischen Kapitalverzehr und ewiger Rente?

Grundsätzlich gibt es zwei Strategien für die Entnahme:

Wie funktioniert der geplante Kapitalverzehr im Alter?

Beim Kapitalverzehr planen Sie, Ihr gesamtes Vermögen innerhalb eines bestimmten Zeitraums aufzubrauchen. Am Ende der Laufzeit ist das Kapital bei null. Diese Strategie erlaubt höhere monatliche Entnahmen, birgt aber das Risiko, dass Sie länger leben als geplant und am Ende ohne Geld dastehen.

Unter welchen Voraussetzungen sichern Sie sich eine ewige Rente?

Bei der ewigen Rente entnehmen Sie nur die erwirtschafteten Erträge und lassen das Grundkapital unangetastet. Die monatliche Entnahme ist deutlich niedriger, dafür ist das Vermögen theoretisch unendlich lang verfügbar. Zudem können Sie das Kapital vererben.

In der Praxis wählen die meisten Ruhestandsplaner einen Mittelweg: einen Entnahmezeitraum von 25-35 Jahren mit leichtem Kapitalverzehr und einem kleinen Restpuffer am Ende.

Wie funktioniert die bekannte 4-Prozent-Regel?

Die 4%-Regel geht auf die berühmte Trinity Study (1998, Professoren Cooley, Hubbard und Walz) zurück. Sie besagt: Wer im ersten Ruhestandsjahr 4 % seines Portfolios entnimmt und diesen Betrag jährlich um die Inflation anpasst, hat bei einem diversifizierten Portfolio aus Aktien und Anleihen eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit (historisch über 95 %), dass das Vermögen mindestens 30 Jahre reicht.

Wie wenden Sie die 4-Prozent-Regel auf Ihr eigenes Depot an?

  1. Startentnahme: 4 % des Portfoliowerts im ersten Jahr. Bei 500.000 € wären das 20.000 € im Jahr bzw. ca. 1.667 € pro Monat.
  2. Jährliche Anpassung: Der Entnahmebetrag wird jährlich um die Inflationsrate erhöht, unabhängig vom aktuellen Portfoliowert.
  3. Keine Reaktion auf Kursverluste: Auch in Crash-Jahren wird der gleiche (inflationsangepasste) Betrag entnommen.

Welche Kritikpunkte gibt es an der klassischen 4-Prozent-Regel?

Die 4%-Regel basiert auf US-historischen Daten und einem Portfolio aus US-Aktien und US-Anleihen. Für deutsche Anleger gelten Einschränkungen:

  • Die realen Renditen in Europa lagen historisch teilweise niedriger als in den USA.
  • Die Studie berücksichtigt keine Steuern auf Kapitalerträge.
  • Das aktuelle Zinsniveau und die Bewertung der Aktienmärkte beeinflussen die sichere Entnahmerate.

Konservativere Schätzungen empfehlen daher für deutsche Anleger eine Entnahmerate von 3,0-3,5 %, um sicher durch 30 Jahre Ruhestand zu kommen.

Wie viel monatliche Rente erhalten Sie bei verschiedenen Depotwerten?

Die folgende Tabelle zeigt, wie viel Sie monatlich entnehmen können - bei einer angenommenen durchschnittlichen Nettorendite von 4 % p.a. nach Steuern und Kosten (Kapitalverzehr, Restkapital am Ende = 0):

Startvermögen Laufzeit 20 Jahre Laufzeit 25 Jahre Laufzeit 30 Jahre Ewige Rente (4 %)
200.000 € ca. 1.212 € ca. 1.056 € ca. 955 € ca. 667 €
300.000 € ca. 1.818 € ca. 1.584 € ca. 1.432 € ca. 1.000 €
500.000 € ca. 3.030 € ca. 2.639 € ca. 2.387 € ca. 1.667 €
750.000 € ca. 4.545 € ca. 3.959 € ca. 3.580 € ca. 2.500 €
1.000.000 € ca. 6.060 € ca. 5.279 € ca. 4.774 € ca. 3.333 €

Hinweis: Die Werte sind Brutto-Entnahmen vor Steuern und basieren auf einer konstanten Rendite von 4 % p.a. In der Realität schwanken Renditen - das sogenannte Sequence-of-Returns-Risiko kann die tatsächliche Entnahmedauer erheblich beeinflussen.

Was bedeutet das Sequence-of-Returns-Risiko für Rentner?

Das Sequence-of-Returns-Risiko (Renditereihenfolge-Risiko) ist die größte Gefahr für jeden Entnahmeplan. Es beschreibt das Phänomen, dass die Reihenfolge der jährlichen Renditen eine entscheidende Rolle spielt - nicht nur die Durchschnittsrendite.

Ein Beispiel: Zwei Anleger haben über 20 Jahre die gleiche Durchschnittsrendite von 6 % pro Jahr. Anleger A erlebt einen Crash in den ersten Jahren, Anleger B am Ende. Bei gleicher Entnahme wird Anleger A sein Geld deutlich früher aufbrauchen, obwohl die Gesamtrendite identisch ist. Der Grund: In den Crash-Jahren entnimmt er einen überproportional großen Anteil seines geschrumpften Portfolios.

Mit welchen Strategien können Sie sich gegen Kursverluste schützen?

  • Cash-Puffer: Halten Sie 2-3 Jahresausgaben in Tagesgeld oder kurzen Anleihen, um in Crash-Phasen nicht aus dem Depot entnehmen zu müssen.
  • Flexible Entnahme: Passen Sie die Entnahme in schlechten Jahren nach unten an (z. B. Guardrails-Strategie).
  • Bucket-Strategie: Teilen Sie Ihr Vermögen in kurzfristige (Bargeld), mittelfristige (Anleihen) und langfristige (Aktien) Töpfe auf.

Welche steuerlichen Vorschriften gelten bei der Depotentnahme?

Bei Entnahmen aus einem Wertpapierdepot fallen in Deutschland Steuern an:

Wie hoch ist die Abgeltungsteuer auf realisierte Kursgewinne?

Auf realisierte Kursgewinne, Dividenden und Zinsen fällt die Abgeltungsteuer von 25 % an, plus Solidaritätszuschlag (5,5 % darauf) und ggf. Kirchensteuer. Der effektive Steuersatz liegt damit bei 26,375 % (ohne Kirchensteuer).

Wie mindert die Teilfreistellung die Steuerlast bei Aktien-ETFs?

Bei Aktien-ETFs und Aktienfonds mit mindestens 51 % Aktienquote greift die Teilfreistellung von 30 %. Das bedeutet: Nur 70 % der Erträge werden besteuert. Der effektive Steuersatz sinkt damit auf ca. 18,46 % - ein erheblicher Vorteil gegenüber Zinsanlagen.

Wie nutzen Sie den Sparerpauschbetrag bei Entnahmeplänen?

Kapitalerträge bis zum Sparerpauschbetrag (1.000 € für Ledige, 2.000 € für Verheiratete) bleiben steuerfrei. Im Ruhestand können Sie zudem prüfen, ob eine Günstigerprüfung sinnvoll ist: Liegt Ihr persönlicher Einkommensteuersatz unter 25 %, können Sie die Kapitalerträge zum niedrigeren Satz versteuern.

Wie beeinflusst das First-In-First-Out-Prinzip die Versteuerung?

Beim Verkauf von Fondsanteilen gilt das FIFO-Prinzip (First In, First Out): Die zuerst gekauften Anteile werden zuerst verkauft. Bei lang angesparten Depots können die ältesten Anteile hohe Kursgewinne enthalten, was zu einer höheren Steuerlast führt. Eine Depot-Aufteilung auf mehrere Unterdepots kann hier helfen, die Steuerbelastung zu optimieren.

Wie erstellen und verwalten Sie Ihren Entnahmeplan optimal?

  • Planen Sie konservativ: Rechnen Sie mit einer Rendite von 3-4 % nach Kosten und einer Laufzeit von mindestens 30 Jahren.
  • Berücksichtigen Sie die Inflation: 2.000 € heute haben in 20 Jahren bei 2 % Inflation nur noch die Kaufkraft von ca. 1.340 €.
  • Denken Sie an die Rente: Der Entnahmeplan ergänzt Ihre gesetzliche und ggf. betriebliche Rente - berechnen Sie die tatsächliche Lücke.
  • Regelmäßig überprüfen: Passen Sie Ihren Entnahmeplan alle 1-2 Jahre an die aktuelle Marktlage und Ihre Lebenssituation an.

Quellen: Trinity Study (Cooley, Hubbard, Walz 1998), Investmentsteuergesetz (InvStG), § 20 EStG, Bundesbank - historische Renditen, Finanztest Entnahmestrategien.

Entnahmeplan berechnen: Wie lange reicht Ihr Vermögen? Berechnen Sie Ihre individuelle monatliche Entnahme und den optimalen Zeitraum: Zum Entnahmeplan-Rechner.

Quellen & Berechnungsgrundlagen 2026

Bundesministerium der Finanzen (BMF)
Offizielle Steuerdaten und Rechengrößen
Deutsche Rentenversicherung
Beitragssätze und Beitragsbemessungsgrenzen
Bundesgesundheitsministerium
Informationen zu Kranken- und Pflegeversicherung

Alle Berechnungen basieren auf den offiziellen gesetzlichen Vorgaben für das Steuerjahr 2026. Stand: 01. Januar 2026.

Wichtiger Hinweis zur Berechnung

Diese Ergebnisse basieren auf den offiziellen Formeln des BMF (2026). Da individuelle steuerliche Merkmale (z.B. Freibeträge) variieren können, sind alle Angaben ohne Gewähr. Dieser Rechner ersetzt keine professionelle Steuerberatung. Mehr im Impressum.

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